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Dies ist ein CII Honeywell Bull Terminal. Ich habe es nie zum laufen bekommen und auch extrem wiedersprüchliche Informationen über das Gerät bekommen. Mehr als das es 80 Zeichen pro Zeile macht und einen S/W TTL-Monitor eingebaut hat (Der übrigens auch mit alten CGA-Grafikkarten halbwegs tut) kann ich euch nicht sagen. Als ich es bekommen habe waren im inneren die Platinen schon verrostet und auf dem Bildschirm kam nur noch manchmal etwas. Irgendwann habe ich es dann geschafft das Teil vollständig zu ruinieren. Seitdem stand es bei mir im Keller bis es dann so um 2012 per Onlineauktion dem nächsten freiwilligen aufs Auge gedrückt wurde.

Die Geschichte mit dem CII Honeywell Bull ist auch so eine lustige. Sie fing natürlich damit an das ich das Terminal in einer Onlineauktion gefunden habe. Ich glaube es war so 2002. Ich fand das Teil irgendwie cool – und schließlich hatte Gaby.de auch eins, klar das ich da nicht widerstehen konnte. Leider stand unter der Auktion der kleine Hinweis „Nur an Selbstabholer“. Na ja. Ich lies es drauf ankommen und bot eine, gemessen am tatsächlichen Wert des Gerätes astronomische Summe. 3,2,1 Meins. Für 2 Euro.

Als ich aus meinem Serotoninflash wieder erwachte machte ich mich daran Frau Ratte (Name von der Redaktion geändert) zu bequatschen mir das Terminal trotz des ausdrücklichen Selbstabholer-Hinweis doch zuzuschicken. Die Telefonnummer war schnell ermittelt und ich rief an. Eine alte Frau meldete sich und ich versuchte mich zu Frau Ratte durchzufragen. Nach dem zweiten Versuch hatte ich Frau Ratte auch am Rohr und versuchte sie zu bequatschen. Leider lies sich Frau Ratte von meinem Betteln nicht im geringsten Beeindrucken, stattdessen bekam ich eine bitterböse Email das ich es gefälligst zu unterlassen hätte die Nachbarin zu belästigen. Die Mail trieb mir den Schweiß auf die Stirn. Ich sah mein Terminal schon in der Schrottpresse verschwinden. Also schrieb ich eine Entschuldigungsmail um die Ratte wenigstens wieder gütlich zu stimmen.

Was tun? Ich dachte Nach. Dann kam mir die wahnsinnige Idee in einer Mailingliste quasi eine Mitfahrtgelegenheit für mein Terminal zu suchen. Ich hätte nie damit gerechnet das sich jemand auf sowas einlassen würde. Aber ich habe tatsächlich jemand gefunden der das Terminal bei Frau Ratte abgeholt hat, eingepackt und verschickt hat. Spritkosten, Versand und Schmerzensgeld habe ich natürlich gezahlt. So kam ich auf etwa 60 Euro - viel zu wenig für dieses edle Stück Hardware.

Das Terminal kam bei mir an und wurde erstmal sorgfältig gespült. Ich Spüle meine Computer immer wenn sie zu dreckig sind - natürlich nur die Gehäuseteile und die Tastenkappen. Als es dann fertig war fing der Ärger an. Kein Handbuch, keine Kenntnisse in Mikroelektronik und Datenübertragungstechnik und keine Messtechnik. Klar das das zum Scheitern verurteilt war. Ich wusste zwar wie man Terminals verdrahtet, nur war dieses Terminal komplett anders, hatte merkwürdige Schalter hinten die gar nicht nach seriellem dumb-terminal aussahen. Bei irgendeinem Experiment machte es dann knack und es roch nach verbranntem TTL-IC. Danach habe ich Tagelang mit einem 1 Kanal Oszi das Pinout vom Monitor ausgekaspert und es hinbekommen mit einer CGA-Karte ein Bild auf dem Monitor darszustellen. Danach hatte ich dann genug und das Teil stand bis 2012 bei mir im Keller kaputt. Beim Test rührte sich nicht mal mehr der Monitor. Die Onlineauktion brachte 1 Euro - welch ein Verlustgeschäft!

Hier sieht man die Rückseite des Terminals. Viele interessante Schalter finden sich dort. Auf den normalen seriellen Terminals findet man meistens Dipschalter für die Baudrate und nicht viel mehr. Ich habe damals versucht über Newsgroups mehr zu erfahren, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Damals fehlten mir auch die Messemittel und die Kenntnisse so das ich keine sinnvollen Experimente mit dem Terminal machen konnte - deshalb hat es dann auch schnell "Puff" gemacht.

Hier ein Blick von der Seite ins Innere. Das Platinenmaterial war auch irgendwie komisch und scheinbar aus einem nicht ganz rostfreiem Material. Jedenfalls waren die Platinen schon ganz schön rostig als ich das Terminal bekam. Das Terminal kommt mit einer großen Platine nicht aus. Es sind zwei gestackte Platinen auf denen sich eine ganze Menge keramische DIL-ICs befinden. Ich gehe davon aus das viele der Funktionalitäten von diesem Terminal mittels programmierbarer Gate-Arrays gemacht worden ist - man brauchte scheinbar viel davon.

Als ich anfing das Pinout von dem Monitor zu rekonstruieren war das Terminal bereits ziemlich hirntot. Auf dem Monitor kam nichtmal Zeichensalat. Aber Hsync und Vsync wurden noch generiert. Also habe ich meinen Einkanal-Oszi genommen und die Signale oszilloskopiert und mit denen einer Hercules-Grafikkarte verglichen. So konnte ich relativ problemlos das Pinout rekonstruieren und testweise eine Hercules-Karte anschließen. Es kam auch ein Bild. Allerdings habe ich gemerkt das es zum einen nur mit manchen Karten ging und zum anderen wurden die Zeilen je nach dem wie oft der Elektronenstrahl an war länger oder kürzer - was zu leichten Bildverzerrungen führte.






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