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Mein MacPlus im Jahr 2012.

Bei diesem Exponat handelt es sich um einen MacPlus. Der MacPlus ist der Nachfolger des Ur-Macintosh. Die grafische Benutzeroberfläche galt damals als Novum. Zwar gab es schon vorher Systeme mit grafischer Eingabe und Fenstern, aber beim Mac war es sozusagen das erste mal das man eine benutzbare und umfassende grafische Umgebung im Konsumermarkt einführte. Dieser Mac hat 1MB Ram und ein 800k Diskettenlaufwerk. Das ist freilich ein bisschen dünn und führt zu häufigen Diskettenwechseln. Richtig Sinnvoll wird der Mac erst mit einer externen Festplatte. Eine SCSI-Platte tut es hier - sofern sie richtig formatiert ist! Als Prozessor kommt ein 68k Prozessor von Motorola zum Einsatz. Aber da es technische Details über den MacPlus genug im Netz gibt erzähle ich euch lieber eine Geschichte...

Meine ganz persönliche Geschichte um diesen Computer beginnt mit einem Dokumentarfilm über Apple. Ich war damals von Apple fasziniert und wollte mich irgendwie damit beschäftigen. Also ging sie los die Reise ins Apple-Land. Damals gab es keine Onlineauktionen. Nein man musste mühselig Annoncen in Zeitungen durchstöbern. Da ich nichts fand gab ich eine Suchanzeige auf. Ich hatte damals keine Ahnung wie der genaue Produktname war. Ich suchte einen Mac der die Form eines Quarders hatte und wo Bildschirm und Rechner in einem Gehäuse vereint sind. Nach ein par Tagen rief mich ein Typ ein der mich fragte ob ich "Würfelchen" suche. Er habe einen Mac-Plus sogar mit Festplatte. Er gab mir seine Nummer und ich versprach mich wieder zu melden.

Das Problem an der Sache war das ich unmöglich meine Eltern bitten konnte mich zu dem Mac-Besitzer zu karren. Wahrscheinlich hätten sie es gemacht, aber wie hätte ich ihnen erklären sollen das ich einen schon für damalige Verhältnisse hoffnungslos (Wir hatten immerhin schon das Jahr 1999) veralteten Computer kaufen wollte. Also musste ich tricksen. Meine Paten hatten sich fürs Wochenende angekündigt um mit mir eine Ausstellung anzusehen. Also fragte ich sie ob sie nach dem Museum zu dem Mac-Besitzer fahren könnten. Meine Paten konnten mir nie etwas abschlagen. Also rief ich den Mac-Typen noch im Museum von einer Telefonzelle aus an. Doch er ging nicht ran - verdammt! Wir fuhren trotzdem hin - nicht da! Gerade als wir aufgeben und nach Hause fahren wollten fuhr ein Autobus die Straße runter. Konnte er das sein? Er war es! Ich gab ihm die Hand. Er führte mich zu dem Mac. 100DM wollte er für den Mac haben. Ich war überglücklich meinen ersten Mac in den Händen zu halten.

Es folgten viele Tage voller Spaß. Ich war damals gerade 16 und noch ziemlich verspielt. Computer waren für mich damals mehr Spielzeug als Werkzeug. Das Problem war das ich nur 3 Programme für den Mac hatte: MacPaint, das Maus-Lernprogramm und ein Labyrinth-spiel. Das wurde natürlich schnell etwas langweilig. Die Festplatte (übrigens nicht original Apple) gab auch irgendwann den Geist auf. Ich besorgte mir ein Apple-Talk-Transceiverkit. Allerdings musste ich feststellen das mein Mac die Software dafür nicht auf den Bootdisketten hatte. Irgendwann so auf der zweiten Hälfte der 0er Jahre. Schenkte mir einer meiner Kollegen (AB) einen 2ci-Mac. Damit konnte ich die Disketten von meinem MacPlus lesen und schreiben. Der 2CI hatte eine Netzwerkkarte. So konnte ich jetzt endlich Programme aus dem Internet konvertieren. Das Filesharing funktionierte mit einem Uralt-Netscape für Mac. Und einem HHTP-Server auf meiner Linux-Workstation. Nach dem alle Versuche eine normale SCSI-Platte so zu formatieren das mein Mac mit ihr klarkam fand ich in einer Online-Auktion eine original Apple Platte mit SCSI-Gehäuse und allem. Angeschlossen - ging. Also konvertierte ich gleich eine ganze Ladung Programme auf die Platte. Nun hatte ich endlich einen Berg Programme für meinen MacPlus.

Die Geschichte mit dem Mac endet 2012 bei einer meiner Inventuren. Zuerst musste ich feststellen das der Monitor vom 2CI den Geist aufgegeben hatte. Auch Nachlöten half nichts. Dann testete ich die Platte vom Macplus. Sie gab zunächst komische Geräusche von sich verabschiedete sich dann mit einem lauten metallischen Knall. Ich muss schon zugeben, das war vom Sound her ein sehr eindrucksvoller Headcrash. Irgendwie ist mir darüber dann auch die Lust vergangen weiter Zeit und Geld in die Instandsetzung zu stecken. Also habe ich meinen ganzen Mac-Krempel per Onlineauktion dem nächsten Bastler aufs Auge gedrückt.

Als ich das gesehen habe hab ich echt zu viel gekriegt. Man sieht sehr schön wo der Kopf über die Platte geschlittert ist. Die Platte ist zwar eine normale SCSI-Platte, allerdings kann man die Platte nicht durch eine beliebige neue SCSI-Platte ersetzen. Apple hat es damals schon gut verstanden einem den Spaß zu verderben. Ich habe schon mal mit Fremdplatten experimentiert. Datenaustausch hat sogar mal kurz funktioniert aber bootfähig habe ich sie nie gekriegt. Ich habe schon einiges an Apple Hardware in der Hand gehabt, leicht zu benutzen, aber wenn mal ein Servicefall auftritt dann ist es schluss mit lustig. Na wenigstens braucht man sich bei der Entsorgung dieser Platte keine Gedanken mehr um Datenschutz zu machen. Ich habe die Platte gleich mit dem SCSI-Enclosure in den Elektronikschrott geschmissen.

Der Macplus hat ein sehr lustiges Easteregg. Man drückt die Interrupt-Taste (hinten links). Dann poppt eine Maschinensprache-Monitor-Konsole auf an der man G 40E118 eingeben kann. Der Mac mahlt daraufhin in die linke obere Ecke den Schriftzug "STOLEN FROM APPLE COMPUTER". Ich denke dieses Easteregg ist dazu gedacht gewesen Hersteller von Clones auf Messen bloszustellen. Jetzt wäre es interessant mal die ROMs zu dumpen und zu sehen ob der Text dort als ASCII hinterlegt ist - wahrscheinlich wird er das aber nicht sein ;-)

Der Macplus ist ja schon fast ein richtiger Laptop. Deshalb gibt es dazu eine schicke Tragetasche wo der Computer und die Zubehörteile (ausgenommen optionale Festplatte) reinpasst. Richtig tragbar ist das aber trotzdem nicht. Die gesammte Hardware mit Handbüchern und Disketten wiegt schon einiges. Ich habe den Mac mal per ÖPNV zu nem Kumpel mitgenommen - ich kann euch sagen. Ich habe geschwitzt wie ein Schwein!


Übrigens: Am Macplus kann man ganz toll Monitor kalibrieren üben. Jedenfalls musste ich bei meinem zwischenzeitlich das Kissen neu einstellen.

Bitte missversteht mich nicht. Ich bin kein Apple-Fanboy. Wenn ich ehrlich bin kann ich Apple überhaupt nicht leiden. Den Kurs den Apple heute fährt halte ich für extrem fragwürdig und hat mit der ursprünglichen Vision vom persönlichen Computer nichts mehr zu tun. Auch finde ich das die Produkte bei allem was über normale Büroarbeit hinausgeht fehl am Platz sind. Aber dennoch empfehle ich Apple Produkte - Alten Leuten und Leuten die geistig eingeschränkt sind. Diese leute (ich spreche da aus eigener Erfahrung) kommen mit Macs wunderbar klar!






(c)2000-2013 Philipp Maier, Hohen Neuendorf