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Der Computer um den es hier geht ist eine pdp-11. Wenn ich mich mit Kollegen, vor allem den jüngeren unterhalte dann werde ich immer gefragt „Was ist eine pdp11?“. Der Jüngern Generation empfehle ich deshalb das Youtube-Video Programming the PDP11/10 von der DePauw University anzusehen. Zusammengefasst kann man sagen das die pdp-11 die Rechner-Architektur der 70er Jahre war. Es war ein günstiger, kleiner Computer mit einem breiten Anwendungsspektrum der in Uni-Laboren, als Prozessrechner und auch als Server eingesetzt wurde. Es gab mehrere pdp-Generationen. Die ersten füllten je nach Ausstattung ein bis zwei Racks. Moderne Versionen, wie meine passten sogar auf 3 Höheneinheiten. Dec nannte die Geräte nicht Computer weil man sich bewusst von IBM abgrenzen wollte. Die Abkürzung „pdp“ steht für „Programmed Data Processor“.

Würde ich mich nicht mit Computergeschichte befassen, wüsste ich von alle dem wahrscheinlich auch nichts. Denn als die letzten pdp-11 in den Markt kamen war ich ein kleines Kind. Ich bin durch den Film 23 mit der Nase auf die pdp-11 gestoßen worden. Der in 23 gezeigte Rechner ist jedoch keine pdp-11 sondern irgendetwas anderes, aber es hat mein Interesse für Rechner der Firma DEC geweckt.

Im Jahr 2009 habe ich dann endlich meine pdp11 gefunden. Es ist eine micro-pdp11/53. Als das Gerät bei mir ankam war es völlig verdreckt. Die Laufwerke waren so eingerostet das ich sie nur noch wegwerfen konnte. Mit dabei waren noch massenweise Q-Bus-Karten. In dem Sammelsurium fanden sich noch zwei komplette LSI11-Platinensätze. Komischerweise waren die Steckkarten und sonstige Elektronik in gutem Zustand. Ich gehe mal davon aus das meine pdp11 irgendwo als Prozessrechner in einer rauhen Umgebung mit ätzden Dämpfen eingesetzt war. Ich habe den Rechner zerlegt und das Metallchassis (BA23) mit unter die Dusche genommen. Es ist ohne Ende schwarze Soße rausgelaufen. Als die pdp11 dann sauber war habe ich einige Experimente mit tu58em und XXDP gemacht. Mir wurde dabei erst einmal klar worauf ich mich eingelassen hatte. Eine pdp11 zu der man keine Installationsmedien und sonstige Software hat ist nicht so einfach wieder herzurichten. Vor allem dann nicht wenn man keine Erfahrung mit diesen Systemen hat. Also verbrachte meine pdp-11 erstmal einige Jahre im Keller.

Auf Youtube habe ich ein schönes Video gefunden welches ganz gut zu meiner pdp11-Situation passt: DEC Checks "No Floppys - No Installation!" - Das ist ernst gemeint wenn man mit Computern rumspielt die etwas abseits vom Mainstream sind.

Wenn man für ein System keine Bootdisketten hat kuckt man so richtig blöd aus der Wäsche. Meinstens bedeutet das dann das man den Rechner auf unbestimmte Zeit einmotten muss und wartet bis irgendwann mal ein Diskimage oder gar eine physische Bootdiskette vom Himmel fällt. Verschärft wird der Schwierigkeitsgrad dann noch wenn man vorher noch eine Winchesterplatte formatieren muss - dafür sind in der Regel nämlich auch noch spezielle, propritäre utilities notwendig. All das hat mich jedoch nicht davon abgehalten es trotzdem zu probieren.

Netzteil Prüfung:
Bei antiken Computern ist es grundsätzlich erforderlich, nach einer längeren Betriebspause das Netzteil gründlichst zu überprüfen. In keinem Fall einfach in die Steckdose stecken und einschalten.

Zu allererst sollte man sich die Kondensatoren in dem Netzteil ansehen. Wenn diese aufgequollen, ausgelaufen sind, oder ihnen Haare-wachsen dann müssen die Kondensatoren auf jeden Fall getauscht werden. Weiterhin sollte man auf in einem gelblich-transparenten Gehäuse gekapselte, Metallpapierkondensatoren achten. Diese findet man vor allem im Bereich der Netzspannung wo sie gerne als Filterkondensatoren eingesetzt werden. Das Problem mit den Dingern ist das sie mit der Zeit rissig sind und dann ohne Vorwarnung explodieren. Der Geruch erinnert an Gammelfleisch-Würstchenbude. Wer also den Stinkstank nicht in seiner Wohnung haben will sollte die Kondensatoren tauschen bevor es knallt. Meine pdp11 hatte zum Glück keine dieser Kondensatoren, aber es gibt bei pdps im BA23 Gehäuse durchaus Netzteile mit Knallkondensatoren wie man in dem Youtube-Video PDP11/23 and Murphy sehen kann.

Für den ersten Test habe ich von einer meiner VAXen ein Load-Board (Belastet nur die 5V) und zwei alte Festplatten genommen. Das war im Jahr 2009. Jetzt (2013) wo ich die pdp11 wieder aus dem Keller geholt habe, habe ich nur das Load-Board genommen.

Die Messungen ergaben das alle Spannungen noch innerhalb der Spezifikation waren. Um ganz sicher zu sein das alles in Ordnung ist habe ich das Netzteil noch einige Zeit laufen lassen.

Der ODT-Prompt:
Das gute bei der pdp11 ist das man selbst ohne Betriebsystem schon mal etwas machen kann. Bei den ganz alten pdp11-Computern hatte man das Frontpanel mit den Lampen und Schaltern. Später gab es dann ODT (Octal Debugging Technique) als Ersatz. Meine pdp11 hat ODT. Mit ODT hat man Zugriff auf den Speicher und die Register. Man hat also einen Low-Level-Zugriff auf das komplette System. Um an den ODT-Prompt zu kommen drückt man die Halt-Taste am Rechner und es erscheint ein „@“ Zeichen. Anleitungen für ODT findet man im Netz genug. z.B.: auf Diane`s pdp-11 page. Da man mit ODT so schön auf dem Speicher rumschreiben kann, habe ich mir erstmal ein Tool gebastelt um den Prozess zu automatisieren: pdp11tool. Ich bin allerdings nicht der erste der auf so eine Idee gekommen ist. Das Program Vtserver verfolgt einen ähnlichen Zweck, ist aber vom Funktionsumfang deutlich komplexer. Ich brauchte etwas simples.

Formatieren der Winchester-Platte:
Am meisten Sorgen machte mir die Winchester-Platte. Winchester-Festplatten sind bei alten Computern immer problematisch. Die Probleme kommen daher, dass Platte und Controller ein Team bilden bei dem man nicht einfach eine der beiden Seiten austauschen kann. Mit Controller ist hier wirklich „Der Controller“ gemeint. Also die Baugruppe die tatsächlich die Kopfbewegungen steuert und die Signale verarbeitet. Man braucht also eine Platte die zu dem jeweiligen Controller passt. Zu dem muss die Platte, bevor man sie nutzen kann noch low-level formatiert werden. Hierzu wird in der Regel propritäre Software benötigt. Ist die Formatiersoftware nicht mehr aufzutreiben, dann ist meistens Ende. Moderne Festplatten haben den Controller bereits eingebaut und man tauscht die komplette Baugruppe gegen eine neue. Dann sind Controller und Platte bereits ab Werk konfiguriert und low-level-formatiert. Man tauscht also quasi das komplette Team aus und muss sich um nichts Gedanken machen.

Bei meiner pdp-11 war das finden einer Ersatzplatte einfach, denn die unterstützten ST225 (20MB) und ST251 (40MB) waren weit verbreitet und sind deshalb relativ leicht zu bekommen. Die Software zum formatieren hatte ich natürlich nicht und ich hatte anfangs auch keine Ahnung wo ich die herbekommen sollte.

Aber es ist ja mit vielen Problemen so das irgendwer sie schon mal gelöst hat. Nach ein wenig suchen im Internet fand ich einen Blog wo jemand exakt mein Problem mit exat dem gleichen pdp-11-Typ schon einmal mit allem drum und dran gelöst hatte.

Im konkreten Fall bestand das Problem nicht darin die Software zu bekommen, die war auf einem RL02 (XXDP) Image zu finden, sondern die Software zu laden. Denn meine Micro-pdp11/53 hat nur ein RX33 und kein RL02 Laufwerk. Also irgendwie kein so guter Ausgangspunkt. Der Autor schreibt er habe versucht im Emulator ein bootfähiges Diskettenimage mit den nötigen Utilites zu erstellen. Das habe im Emulator funktioniert, jedoch nicht auf der echten Hardware. Um diese Unwegbarkeiten zu umgehen beschreibt der Autor einen genialen Trick. Das Plattenimage wird im Emulator gebootet und das Formatierprogramm geladen. Danach wird vom Emulator ein Speicherabbild gezogen. Dieses Abbild lässt sich via ODT in die echte pdp-11 laden und schon hat man das Formatierprogramm auf der echten Hardware laufen und kann loslegen.

Das musste funktionieren - was es dann auch tat. Ich hatte 2xST251 und 3xST225. Alle platten außer einer (Headcrash) der ST225 ließen sich problemlos formatieren. Zum nachvollziehen gibt es hier ein kleines Howto: rqdx3-format-howto.txt Damit war das schwierigste Problem gelöst und ich konnte mich auf die Suche nach einem Betriebsystem machen.

Installation eines Betriebsystems:
Eines der Standardbetriebsysteme für pdp-11 Computer ist RT-11 von DEC. Das System ist ein Single-User/Multi-Tasking Betriebsystem mit Echtzeitfähigkeiten. Man setzte dieses System gerne zur Prozessteuerung ein.

Für mich lag es irgendwie nahe RT11 zu nehmen da es ein nicht allzu kompliziertes System ist und ich auch schon Floppy-Images davon im Netz gefunden hatte. Eines dieser Images ist „rt11-xm.dsk“. Man findet dieses Image mit etwas suchen im Netz. Mit dem Program Putr von dbit kann man das Image dann auf eine echte Diskette übertragen und dann von dieser booten. Man muss dazu wissen das man bei Putr die Diskette grundsätzlich formatieren muss (hier natürlich im RX33 Format) und dann erst das Image zurückschreiben kann. Ansonsten ist der Prozess ziemlich straigt-forward. Ich habe „rt11-xm.dsk“ zum testen verwendet.

Da es nur eine Diskette ist fehlt logischerweise ein Großteil von RT-11. Für den „Produktiv-Betrieb“ wollte ich aber ein vollständiges RT11. Auf dem RL02 Image „rtv53_rl.dsk“ findet man ein ziemlich vollständig aussehendes RT11. Ich habe den Inhalt des Images auf 3 RX33 Disketten-Images verteilt und diese mit Putr auf echte Disketten geschrieben. Wer das gerne nachvollziehen will findet hier wieder ein kleines Howto dazu: rt11-disk-creation-howto.txt

Anmerkungen zu VTserver und tu85em:
Ich habe auch Experimente mit Vtserver und tu58em gemacht. Vtserver läd über ODT einen Bootstrap und startet diesen. Danach können mit Vtserver die Platteneinheiten über den PC gelesen und geschrieben werden. Wenn alles funktioniert braucht man nur ein Diskimage (kann man mit einen Emulator erstellen) und läd dieses dann einfach auf eine der Platten in der pdp11 und schon hat man ein funktionierendes System. Ich weis nicht was ich falsch gemacht habe. Jedenfalls hat das auslesen meiner Winchester-Platte (bei 20MB dauert das etwa 2 Stunden) funktionert, als ich jedoch das Image mit installiertem RT11 zurückschreiben wollte, brach der Schreibprozess immer softort nach dem ersten Block ab.

tu58em ist VTserver sehr ähnlich, der Ansatz ist aber ein anderer. Für die pdp11 gab es mal ein Bandlaufwerk das man ohne weiteres Zubehör an eine der seriellen Schnittstellen der pdp11 anschliessen konnte. Das serielle Protokoll hies „Radial Seriel Protocol“ (RSP). Das Programm tu58em emuliert ein solches Laufwerk auf der PC-Seite. Als Eingabedateien werden tu58-images verwendet. Ich habe es hinbekommen mit tu58em auf meiner pdp11 XXDP zu booten. Leider fehlte genau das Winchester-Formatierprogramm so das auch dies mich wenig weiter gebracht hat.

Links zum Thema:
Eine Goldgrube zum Thema pdp11/53:
http://codehosting.net
Bedienung des Winchester-Formatierprogramms:
http://home.windstream.net/engdahl/rqdx3.htm
Diane`s pdp-11 page:
http://www.diane-neisius.de/pdp11/index.html
Hompepage von Warren Toomey (VTserver):
http://minnie.tuhs.org/
Homepage von ak6dn (tu58em):
http://www.ak6dn.dyndns.org/PDP-11/TU58/tu58em/
D BIT, Hier gibt es Ersatz11 und Putr:
http://www.dbit.com/
Homepage von Reinhard Heuberger:
http://www.pdp11gy.com/
Youtube-Kanal von Reinhard Heuberger:
http://www.youtube.com/user/PDP11GY
Mein pdp11tool:
http://runningserver.com/?page=runningserver.content.download.pdp11tool






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