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Wie ich anfing Computer zu sammeln....

Ich bin nicht, wie einige vielleicht annehmen jemand der mit 8-Bit Computern groß geworden ist und deshalb eine starke Bindung an die alten Kisten hat. Mein erster Computer war ein Pentium 90 von Highscreen mit Windows 95. Damals ein Top-Computer und 5000 DM teuer. Es war damals noch üblich das eine ganze Familie einen Computer gemeinsam nutzte. Ich klickte also auf dieser Windowskiste so vor mich hin. Besondere Vorerfahrung hatte ich nicht. Ich hatte bisher nur Kontakt mit Spielekonsolen und Taschenrechnern gehabt. Als Kleinkind hat mich meine Mutter manchmal mit ins Büro genommen. Und da durfte ich manchmal ein bisschen in einem Textverarbeitungsprogramm auf den Tasten rumdrücken. Einmal hatte ich es sogar geschafft aus der Textverarbeitung auszubrechen, in den Tickerdienst vom Bundestag zu kommen und selbigen auch wieder zu beenden. Es war also so anno 1995 / 1996. Wir hatten diesen PC mit Windows 95 da stehen und ich fragte mich wie das ganze eigentlich funktionierte und was es wohl vor Windows gegeben hatte.

Meine Eltern waren konsequenterweise so nett mir und meiner Schwester nicht nur den Computer sondern auch noch einen Computerkurs zu finanzieren. Also kam einmal die Woche Hucky, ein netter Herr so um die 40 ins Haus und zeigte wie man der Anlage bunte Grafiken entlocken konnte. Hucky erklärte mir auch das der Vorläufer von Windows DOS und zeigte mir wie ich das DOS unter dem Windows 95 standalone starten konnte und damit arbeiten konnte.

Eigentlich wollte ich immer meinen eigenen PC haben. Doch mittlerweile wusste ich das das Computer sehr schnell veralteten und im Preis rapide sanken. Also sparte ich ein par Mark zusammen und ging zum Flohmarkt. Dort erwarb ich einen 286er für 50 Mark. Mit allem was dazugehörte: Tastatur, Monitor, Zentraleinheit. Alles irre schwer und kein Plan wie ich das Zeug nach Hause schaffen sollte. Mein Freund Tim half mir damals beim Tragen. Ich trug die schwere Zentraleinheit und die Tastatur im Rucksack. Tim den Monitor. Das ging gut. Wir kamen mit dem Bus nach Hause. Da Tim am anderen Ende vom Dorf wohnte musste ich den letzten Kilometer alleine bewältigen. Also trug ich abwechselnd Monitor und Zentraleinheit immer so 20m. Zum Glück kam ein kleiner Junge mit einem Bollerwagen vorbei. Der half mir den Rechner nach Hause zu karren. Ich glaub ich hab ihm 5Mark dafür gegeben. Ich war fix und fertig als der Rechner bei mir Zuhause waren. Der Kommentar meiner Mutter dazu war nur: „Philipp, alles was du kaufst ist Scheiß!“

Der Rechner war alt, aber er war irgendwie genau das richtige. Ich benutzte die Maschine gerne. Lernte auf ihr programmieren und 10 Finger schreiben. Ich konnte DOS damals sehr schnell bedienen. Der Bildschirm war mit Nachleuchtphosphor, was ein ermüdungsfreies Arbeiten ermöglichte.

Nach einiger Zeit hatte ich vom gleichen Flohmarkt auch einen 8086er Notebook für sage und schreibe 100Mark erworben. Das Gerät hatte keine Festplatte und brauchte 720k Disketten. Eine etwas spartanische Arbeitsumgebung. Aber besser als gar kein Computer unterwegs.

Irgendwann wurde es mir auf dem 286er allerdings zu eng. Ich setzte mir das ehrwürdige Ziel auf einen ordentlichen Laptop zu sparen. Was ich dann auch tat. Den 286er verkaufte ich. Da ich langsam in die Pubertät kam und das Interesse an meinen Kinderspielsachen verlor standen diese auch bald zum Verkauf. Ich sparte und verdiente hier und da ein wenig Geld. Irgendwann kam die sagenhafte Summe von 1800Mark zusammen. Davon konnte ich mir bei einem lokalen Computerladen der mit gebrauchten Notebooks handelte ein gebrauchtes Notebook kaufen. Es war von Toshiba und hatte eine 120Mhz CPU. Nicht das schnellete zu der Zeit, aber ok. Ich konnte Windows98 damit laufen lassen, was damals ein ziemlich aktuelles O/S war.

Und wie ich wieder so auf dem Windows rumklickte fragte ich mich was die Leute wohl vor DOS benutzt haben. Also kaufte ich mir von einem Schulkammeraden für 70Mark eine komplette 64er Ausrüstung. Es war herrlich. Wir schalteten das Gerät ein und es bootete innerhalb von millisekunden zu einer grafischen Oberfläche durch. Sowas hatte ich noch nie gesehen. Die Oberfläche war übrigens nicht Geos sondern kam aus der FinalCartrige im expansion slot. Das gute an der grafischen Oberfläche war das man die Spiele durch klicken laden konnte. Später endeckte ich dann das Basic darunter und schrieb auch Programme damit. Der 64er war an meinen Fernseher angeschlossen so das ich in den Werbepausen Zocken konnte.

Irgendwann habe ich im Fernsehen einem Dokumentarfilm etwas über die Entstehung des PCs gesehen. Unter anderem wurde dort ziemlich eingehend über den Macintosh gesprochen. Und als der Film zu Ende war musste ich einen Mac haben. Ich habe dann auch nach kurzer Zeit einen in einem Offerten Blatt gefunden und gekauft. Gleich mit SCSI Platte. Leider war nicht viel Software dabei.

Nun hatte ich schon zwei Computer die ich mir aus purem historischen Interesse gekauft hatte. Von nun an war klar das ich Computer sammeln würde. Die Geschichte ging wild weiter. Wir zogen von Bonn nach Berlin. Es gab Internet und damit erstmals Zugang zum Wissen der Welt. Ich endeckte Onlineauktionen, Commodore CBMs, CP/M Computer, VAXen, ne PDP11, ASR33... Erforschte sie, restaurierte sie, verkaufte einige wieder, ging zu Treffen, zum CCC...

Heute versuche ich meine Sammlung klein zu halten und im Fundus genau das zu haben was mich auch interessiert. Ganz aufgeben werde ich dieses Hobby wohl nie. Im Gegenteil.




(c)2000-2013 Philipp Maier, Hohen Neuendorf