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Dies ist mein Superbrain. Ein CP/M Computer vom Ende der 70er Jahre. Das Design wurde 3 Jahre bevor ich geboren wurde gemacht und ist zwar komplex, aber doch ziemlich großzügig und ingenieurmäßig betrachtet schön. Für mich sieht es so aus als hätte sich da mal jemand so richtig ausgetobt. Auf Grund des großzügigen Designs muss der Superbrain auch recht teuer gewesen sein. Es war damals ein Gerät für professionelle Ansprüche. Ich habe das Gerät jetzt seit etwa 10 Jahren bei mir rumstehen. Ich verwende ihn gelegentlich als Terminal für meine VAX-Computer und als Display für meinen Zenith XT. (Superbrain-Monitor intern angezapft). Wie alt die Maschine genau ist kann ich nicht sagen. Das Board ist jedenfalls (c)1979 beschriftet.

Mich persönlich faszinieren weniger die technischen Innereien des Superbrains sondern viel mehr das Design des Gehäuses. Ich habe eine Vorliebe für 70er Jahre Industriedesign. Beim Superbrain bin ich mir nicht ganz sicher ob das Design schon mit einem CAD-System geplant worden ist. Gut möglich das es noch mit Bleistift, Papier und Gießharz enstanden ist. Die Industriedesigner bei Interntec haben ihr Handwerk jedenfalls verstanden und ein wirklich wunderschönes Gerät geschaffen.

Der Superbrain verfügt über einen grünen 12 Zoll Bildschirm. Die Bildröhre ist durch eine Schutzscheibe welche mit einem zumindest tehoretisch dauerelastischem Klebstoff festgeklebt ist befestigt. Leider zersetzt sich dieser Klebstoff im laufe der Jahre und führt zu den charakteristischen Flecken auf dem Bildschirm. Direkt neben dem Bildschirm sind wie bei fast allen CP/M Computern die Diskettenlaufwerke installiert.

Die inneren Werte des Superbrain: Der Superbrain ist von Natur aus ein Einplatinencomputer. Die Tastatur befindet sich direkt auf dem Mainboard (Top, Bottom). Angetrieben wird der Superbrain durch zwei Z80 Prozessoren. Der Bootstrap befindet sich auf einem exotischen 2716er (braucht anderem -5V, +12V scheinbar gab es noch keine Ladungspumpen) Eprom. Links auf dem Board befindet sich der Speicher (64Kbyte) Die hälfte der Rams ist ab Werk Fassungen und kann herausgenommen werden. Der Grund dafür ist einfach, es gab auch eine 32Kbyte Version bei denen die Fassungen dann ab leer gelassen wurden. Dieser Superbrain ist übriegens »Ram-Bruder« des Superbrain von Gaby.de und hat bei der Diagnose eines Ram-Fehlers geholfen. Das System ist vollständig aus damals gängigen Schaltkreisen aufgebaut. Das meiste ist auch heute mit etwas Geduld erhältlich und auch die Schaltpläne haben mittlerweile ihren Weg ins Internet gefunden: www.classiccmp.org/dunfield... Alles in allem muss man sagen das der Superbrain ein sehr komplexer Computer ist. Vor allem aus dem Dual CPU Design werde ich nicht ganz schlau. Beide CPUs bilden zwei eigentlich unabhängige Rechner, die aber irgendwie doch an einen Bus gefummelt sind. Die CPU2 (in der nähe des Floppycontroller) hängt am Bootstrap und hat auch ein wenig Ram. Ich denke das sie das CP/M ins ram schreibt und startet. Danach hat CPU1 dann die Hosen an. Ein echtes Dualprozessor-System, wie oft behauptet wird ist der Superbrain aber in keinem Fall, vielmehr stellt CPU2 mit ihrer Peripherie einen intelligenten Floppycontroller dar.

Verschimmelt: Die Bildröhre ist durch eine Kontrastscheibe abgedeckt, welche mit einem sich mit der Zeit langsam zersetzenden Klebstoff aufgeklebt ist. Der Klebstoff scheint meinem Verständnis nach Luftfeuchtigkeit anzuziehen um sich dann in eine wiederliche, schmierige Pampe zu verwandeln die dann langsam an der Unterseite der Bildröhre heraustropft. Ein bekannter von mir hatte einst ein ähnliches Problem, er warnte mich vor dem Gestank. Deshalb habe ich die Reparatur so weit es ging hinausgezögert und den Siff erstmal mit Klebeband und Epoxy eingesperrt. Dies ist etwa noch 10 Jahre nach Feststellung des Problems gut gegangen. Irgendwann im Jahr 2012 ist die Soße jedoch ins Ram getropft und hat den Superbrain lahmgelegt. Das sichtbare Bild war zu diesem Zeitpunkt auch schon stark eingeschränkt.

Dieses Bild zeigt die mit dem Superbrain mitgelieferten Schaltpläne, die Betriebshandbücher und die Disketten mit Betriebsystem und Anwenderprogrammen. Leider ist der Großteil der Disketten vergammelt. Programmiertechnische Leckerbissen wie Mbasic oder TurboPascal funktionieren nicht mehr. Vermutlich ist der Floppycontroller schuld an korrumpierten Backups. Die Schaltpläne sind äußerst wichtig um den Superbrain auch in Zukunft am laufen zu halten.

Superbrain auf dem Zfest: Das Bild zeigt Helmut Jungkunz und mich wie wir gerade versuchen das Z-System auf dem Superbrain zu implementieren. Das mit dem Z-System hat leider nicht funktioniert. Irgendwie hat der Superbrain immer Fehler beim kopieren gemacht. Ein großes Problem beim Kopieren von Programmen auf den Superbrain war das eigenwillige Diskettenformat des Superbrains, das aber dank der Diskettenexperimente von Helmut Jungkunz und Tilmann Reh. So konnte ich noch ein par coole CP/M Programme für den Superbrain mit nach Hause nehmen.

Wir basteln uns einen Superbrain! Der schnellste und günstigste Weg an einen Superbrain zu kommen ist immer noch selbst einen zu basteln. Alles was wir brauchen ist ein etwas festeres Druckerpapier (3 Seiten) und die Superbrain Druckvorlagen, welche sie hier Downloaden können. Dann brauchen Sie nur noch die Superbrain Bauteile auszuschneiden und zusammenzukleben, fertig ist der Superbrain!

Die Katarakte auf dem Bildschirm und das versiffte Ram sind nun saniert. Die in Fassungen sitzenden Chips konnte ich reinigen und wiederverwenden. Von den eingelöteten gingen die meisten jedoch kaputt und mussten gegen neue ersetzt werden. Das ganze Ram sitzt nun in neuen Präzisionsfassungen. Es war eine ganz schöne Fummelei das Ram und die Fassungen aus der Platine auszulöten. Leider habe ich es auch diesmal nicht geschafft die PCB nicht zu beschädigen. So finden sich unter der Platine nun ein par Fädeldrähte. Aber dies war nichts verglichen mit der Sanierung der Bildröhre. Um euch einen Eindruck zu vermitteln wie Ekelhaft und wiederlich diese Arbeit war habe ich hier zunächst ein par Fotos für euch:

Zum Glück haben sich die Horrorgestank-Geschichten von meinem Bekannten nicht bewahrheitet. Lediglich das Klebeband, welches um die Röhre herumgewickelt war roch ein wenig alt. Ich hatte auf Youtube folgendes Video gefunden: How to repair CRT cataracts Dort wird am Beispiel eines Victor CTC-25 (1967) Farbfernsehers beschrieben wie man die Kontrastscheibe löst und den Kleber entfernt. Da das dort gezeigte Verfahren jedoch mit Hitze arbeitet war es mir doch ein wenig zu unheimlich. Außerdem hätte ich die Röhre komplett aus dem Gehäuse ausbauen müssen. Mein Bekannter meinte vor 10 Jahren er hätte die Scheibe mittels durchziehen eines Blumendrahtes abbekommen. Also setzte ich den Draht an und zu meiner Überraschung passierte gar nichts. Die Schicht war an den Rändern knüppelhart. Also habe ich angefangen an den Seiten mit einem Cuttermesser umzuschnitzen. Was auch gelang. Ich schaffte es ein par Brocken der Schicht an der Seite heraus zu kratzen. Zu meiner Überraschung war der der sich zersetzende Kleber nicht wirklich flüssig sondern eher wie Zuckerguss auf einem Kuchen. Stach man hinein wurde er sofort weißlich trübe, fast Kristallin. Bald wurde mir die Sache zu dumm. Ich nahm eine Spritze und spritze zusätzlich Aceton an die Stellen wo ich bereits einen Teil der Schicht gelöst hatte. Ich schaffte es immer mehr Material zu lösen und an der Seite herauszukratzen. Irgendwann reichte das Cuttermesser nicht mehr. Zum Glück fand ich ein Blechband im Keller welches ich anstelle des Messers zwischen Bildröhre und Deckglas schieben konnte. So ging das über 2 Stunden. Rumstochern, Aceton reinhauen. Wieder rumstochern. Irgendwann war die Scheibe dann ab und ich konnte die Reste des Klebers entfernen. Dies ging völlig problemlos mit einer alten Plastikkarte. An den siffigsten Stellen war der Kleberübrigens nicht schleimig sondern eher wie kunsprige Hühnerhaut in fettiger Soße. Ich wischte alles mit Aceton sauber und vertagte das Wiederanbringen der Scheibe auf den nächsten Tag.

Ich kann die von mir beschriebene Methode übrigens in keinem Fall empfehlen. Wie durch ein Wunder ist die Bildröhre kratzerfrei geblieben. Im Deckglas war ledeglich ein kaum zu sehender, feiner Kratzer zu finden.

Es gibt im Internet Diskussionen darüber ob solche Scheiben ein Implosionsschutz sein könnten. Die Vermutung ist auch richtig. Bei den ersten Bildröhren wurde tatsächlich eine Scheibe aufgeklebt (Vor allem in den USA verbreitet) um im Falle einer Implosion das schlimmste zu verhindern. Ich glaube allerdings nicht das es sich bei in meinem Fall um einen Implosionschutz handelt. Das Frontglas der Röhre hat die normale Dicke wie man es von Bildröhren aus dieser Zeit gewohnt ist. Außerdem gibt es ein Implosionsschutzband. Auch sonst ist an der Röhre nichts ungewöhnliches. Allerdings ist es so das der Phosphor ohne die Scheibe sehr hell erscheint und die Anzeige deshalb ohne Scheibe sehr kontrastarm wäre. Ich gehe deshalb davon aus das die Scheibe lediglich zur Kontrastverbesserung und Entspiegelung aufgeklebt wurde. Möglicherweise war damals der Herstellungsprozess noch nicht für derart kontrastvergütete, hochentspiegelte Röhren entwickelt. Ich habe meine Kontrastscheibe wie in dem Youtube-Video empfohlen mit Doppelseitigem Klebeband wieder aufgeklebt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen - sieht aus wie Neu!






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