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Dies ist ein VAXserver 3400, diese Computer wurden in den späten 1980er Jahren von Forschungseinrichtungen und großen Firmen genutzt. Die Vax ist der direkte Nachfolger der pdp-11. Die erste VAX 11-780 war sogar noch vollständig abwärtskompatibel. Die Leistung einer VAX wird, nicht wie z.B. bei PCs üblich in Mhz gemessen sondern in "Vax units of performance" VUPS. Die Ur-Vax hat demnach eine Leistung von 1 VUPS, was ungefähr einem MIPS (Mega Instructions per Second) entspricht. Die hier gezeigte Vax hat eine Leistung von 2,5 VUPS.


Die Backplane:
Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern Die einzelnen Steckkarten in der 3400 werden durch eine sogenannte Q-Bus Backplane mit einander verbunden. Die Backplane selbst enthält außer den Steckplätzen und ein par Steckern zur Stromversorgung nichts. Der Q-Bus ist ein Erbe aus der pdp-11 Zeit, wobei die Backplanes bei weitem nicht gleich sein müssen. Es gibt eine ganze Reihe an unterschiedlich verdrahteten Backplanes, das macht Q-Bus Hardware etwas tückisch. Während bei der PDP-11 (LS|11) die Slots meist im Zickzack verdrahtet sind (Also alle C und D tragen auch die Leitungen von A und B) ist diese Backplane an sich sehr unproblematisch. Alle Slots sind Paralell durchverdrahtet. Die Steckplätze tragen die Bezeichnungen A,B,C und D. Wobei A und B die beiden oberen und C und D die beiden unteren Steckplätze sind. Es gibt im wesentlichen zwei Sorten von Steckkarten, die sogenannten "Dual hight"-Karten, welche nur A und B belegen und die sogenannten "Quad hight"-Karten, welche alle vier Steckplätze belegen.


Die CPU:
Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern Das linke Bild zeigt die CPU-Platine der Vax. Die Platine enthält neben der eigentlichen CPU-Einheit auch noch einen DSSI-Festplattencontroller (In dieser Vax waren zwei fette DSSI RK71 Platten verbaut von denen ich eine ersteinmal ausgebaut habe - DSSI Festplatten sind viel zu wertvoll um sie im Leerlauf zu verheitzen), einen Ethernetcontroller, 4MB-RAM, eine Serielle Schnittstelle als Konsole und eine HP-LED-Statusanzeige. Die CPU-Platine verschwindet vollständig im Gehäuse und wird dann mit einem sogenannten Bulkhead abgedeckt, welcher dann die Anschlüsse für Ethernet, Terminal usw. zur Verfügung stellt. Bei der VAX-Architektur handelt es sich um eine dem Motorola 68k Prozessor sehr ähnliche CISC-Architektur, was auch nicht besonders verwunderlich ist, denn Sowol die Vax als auch der 86k hatten die pdp-11 als Vorbild. Die Vax hat aber im Gegensatz zu den beiden letzt genannten Architekturen eine Wortlänge von 32-Bit.


Der Ram:
Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern Die 3400 ist noch eine echte reinrassige Q-Bus-Vax, das bedeutet das alle Hardwarekomponentan über den Q-Bus und nicht wie bei neueren (z.B.: 4000-400) über einen separaten Bus angeschlossen sind. Die die hier gezeigte Platine trägt 8-Megabyte Ram. Die Platine ist einerseits direkt an den Q-Bus angeschlossen, hängt aber über einen Flachkabelstecker (Grauer Stecker) zusätzlich noch an der CPU-Platine. Zusammen mit dem schon auf der CPU-Platine befindlichne Ram ergibt sich dann eine Speichergröße von 12 Megabyte Ram. Das war in den 80er Jahren eine durchaus brauchbare Speichergröße.


Der SCSI-Controller:
Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern Die großen VAX-Computer verwenden normalerweise keinen der heute bekannten Speicherbusse. Das bringt natürlich Probleme mit sich, besonders dann wenn man VMS von CD installeren möchte. Diesem Problem begegnete DEC mit dem KZQSA, einem SCSI-Controller für Q-BUS. Der KZQSA ist der Billig-SCSI Controller schlecht hin. Er beherrscht auch nicht, wie sich das eigentlich für VAX-Massenspeichercontroller gehört das MSCP-Protokoll. Dies bringt eine starke Abhängikkeit an die VAX-Firmware (Sozusagen das Bios der Vax) mit sich. Die Firmware muss den Controller nämlich unterstützen, ansonsten kann man nicht von SCSI-Booten, was ihn für Installationszwecke praktisch nutzlos macht. Warum in dieser VAX ein KZQSA eingebaut ist kann ich mir nur so erklären das der Vorbesitzer im laufenden Betreib Zugriffe auf CD-Rom-Laufwerke nötig waren. Denn die Firmware der 3400 unterstützt den KZQSA nicht. Interessant zu wissen ist auch das der KZQSA nur für den Zugriff auf CD-Laufwerke gedacht war. Hin und wieder hört man jedoch von erfolgreichen Experimenten mit Festplatten. Ein weiterer ärgerlicher Aspekt des KZQSA ist auch das er nicht von NetBSD unterstützt wird. Der einzige von NetBSD unterstützte Plattencontroller ist übrigens der KFQSA DSSI-Controller.


Die Netzwerkkarte:
Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern Als Extra gab es mit dieser VAX noch eine Netzwerkkarte, eine DELQA. Die meisten VAXen haben schon eine Netzwerkkarte auf der CPU-Platine implementiert, so das man sich hierum an sich nicht kümmern braucht. Der DELQA hat, wie sich das für vernünftige Netzwerkkarten gehört eine AUI Schnittstelle auf die man einen Transreciver für das entsprechende Netzwerkmedium aufstecken kann. Man kann die Karte also an das jeweilige physikalisch existierende Netzwerk anpassen. Das war damals auch noch bitternötig denn es gab zum einen die zwei konkurrierenden Ethernet-Techniken ThinWhire (BNC) und die von heute gewohnten TwistedPair (RJ45) Infrastrukturen. Zum anderen gab es noch die heute gänzlich aus der Mode gekommenen TokenRing Netze. Wenn man genau hinsieht dann sieht man das der DELQA ein DualHight Board ist und die freien Slots mit einer Dummy-Plastikkarte aufgefüllt werden.


Der DLT-Controller:
Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern Der TQK70 DLT Controller ist schon ein interessantes Stück Hardware. Wenn man links oben den Metallbügel der Textoolfassung bei Seite drückt und das Aluplättchen entfernt lacht einen ein Intel 80186 Prozessor an. Der 80186 ist zwar nicht ganz das was man in den IBM-PCs der 80er Jahre verbaut hat aber es geht schon eindeutig (Der 80186 war noch mit ein par Mikrocontroller-typischen Extras ausgestattet.) in die Richtung. Das ganze ist deshalb so lustig weil im Grunde die Technik die damals einen ganzen PC darstellte bei DIGITAL gerade mal gut genug für einen Laufwerkscontroller war. AM TQK70 wird ein TK70 Bandlaufwerk angeschlossen. Das TK70 ist ein DLT-Laufwerk. DLT steht für Digital Linear Tape, und damit weiß man auch wer das DLT erfunden hat. DLT ist übrigens nur eine von vielen Digital-Erfindungen die Meilensteine in der IT waren und die heute von anderen Firmen vermarktet werden ohne Digital auch nur zu erwähnen.


Das Netzteil:
Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern Der Netzteilaufbau der 3400 ist durchaus Bemerkenswert. Zwei sehr große Schaltnetzteile versorgen die VAX mit Strom. Eine sehr große Drossel in der unteren rechten Ecke sorgt für die nötige Entstörung. Da die beiden Netzteile für den normalbetrieb maßlos überdimensioniert sind kann es sein das eine minimal ausgestatte VAX nicht mehr ohne weiteres anlief da Schaltnetzteile erst ab einem gewissen Strom anlaufen. Um dem entgegen zu wirken konnte man sogannte Load-Boards in den Q-Bus stecken. Diese Load-Boards" waren im prinzip nichts anderes als eine Heizung aus Widerständen die nur dazu da war den für die netzteile nötigen Anlaufstrom zur Verfügung zu stellen. Dieses Vorgehen lässt auf einen wohl erst spät erkannten Designfehler schließen.


Unter die Haube geschaut:
Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern Hier ist alles zusammengebaut und betriebsbereit. Links und Rechts sieht man die beiden Netzteil, dazuwischen die Q-Bus Slots. Von Rechts nach Links: CPU, DELQA, KZQSA, TQK70 und im letzten Slot das Loadboard für die Netzteile. Oben der verschraubte Drivebay trägt momentan eine RK71 Festplatte und ein TK70 Laufwerk. Das kleine weiße Teil Links am Drive-Bay ist der DSSI-Terminater. Hier könnte man wenn man wollte weitere Platten an den Bus anschließen. Löst man an der Front die Schrauben die Plastik und Stahl zusammenhalten kann man die Platikhaube nach hinten abziehen. Im vorderen unteren Gehäuseteil befinden sich zwei Halterungen, wenn man diese ebenfalls abschraubt und das Metallgehäuse zu sich heranzieht kann man es aushaken und von der Rollplatte nehmen. Das Gehäuse kann dann in ein normales 19-Zoll Rack geschraubt werden und die Original-Fronthaube kann wieder aufgesetzt werden. Digital hat eben an alles gedacht. Wenn man übrigens genau hinsieht wird man an der Oberseite des nackten Metallchassis Ösen endecken. Mit diesen Ösen war es möglich eine zweite Vax, oben drauf zu setzen. Das ganze ist so ausgelegt das die Plastikhauben wieder aufgesetzt werden können.


Diese Vax ist eine Leihgabe von D.K. Vielen Dank erstmal!




(c)2000-2013 Philipp Maier, Hohen Neuendorf