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Startseite | Sammlung | Infos | Links | Impressum | Datenschutz / Zenith Data Systems ZBV-2519-EY:

Dies ist ein PC von der Firma Zenith Data Systems. Das Modell scheint keinen richtigen Namen zu haben. Hinten auf dem Typenschild steht ZBV-2519-EY. Eigentlich ist es ein sehr gewöhnliches Gerät. Ein MS-DOS PC wie er damals mitte der 90er Jahre oft im Müll zu finden war. Für mich persönlich bedeutet dieser Computer bzw. dieses Modell sehr viel. Es war mein erster eigener Computer. Mein erster „Personal Computer“

Ich erzähle die Geschichte am besten von vorne. Ich habe meinen Computer damals glaube ich so um 1997 gekauft. Ich wohnte damals im Kreis Königswinter in NRW auf dem Land. In der Rheinaue in Bonn, damals war dort noch die Regierung, gab es in den Sommermonaten immer jeden dritten Samstag im Monat einen Flohmarkt. Dort fuhr ich als Kind regelmäßig hin. An Onlineauktionen dachte damals noch niemand. Dementsprechend konnte man auf Flohmeräten noch interessantes finden.

Es war nicht etwa so das wir nicht schon einen PC im Haushalt gehabt hätten. Meine Eltern hatten so ein Gerät schon so um 1996 gekauft. Es war ein moderner PC mit Windows 95, 8 MB Ram, 1GB Festplatte, VGA-Monitor und Tintenstrahldrucker. Das Problem war aber das dieser PC im Arbeitszimmer stand und ich ihn mit mit meinen Eltern und meiner Schwester teilen musste. Es war für mich damals wichtig einen persönlichen PC in meinem Zimmer zu haben den ich mit niemandem teilen musste und den ich ganz allein für mich hatte an dem ich rumbasteln konnte wie ich wollte. Nun konnte ich mir mit meinen 14 Jahren nicht mal ansatzsweise ein aktuelles Gerät leisten. Es war aber schon damals so das Hardware die heute gekauft wurde schon in ein bis zwei Jahren Elektronikschrott war. Heute ist es vielleicht noch extremer als damals. Das was ich heute mit Hinblick auf Resourcenverschwendung bedauere war für mich als Kind die Rettung. Ich fand schließlich einen PC für 70 Mark auf dem Flohmarkt in der Rheinaue.

Ich kam mit einer Frau ins Geschäft. Die sagte der PC sei noch von ihrem Mann. Ich leistete erstmal eine Anzahlung in Höhe von 10 Mark damit die Frau mir den PC zurückstellte. Ich war mit einem Freund da und da wir erst kurz da waren wollten wir uns noch ein wenig umschauen. Außerdem wollte ich mich nicht festlegen. Vielleicht gab es ja noch einen besseren PC. Aber ich fand keinen besseren. Also kam ich zurück. Ich bezahlte den Rest und mein Freund und ich schleppten das Zeug zur S-Bahn. Mein Freund hatte damals eine Verletzung an der Hand und konnte mir nicht lange helfen. Kurz vor der S-Bahn trennten wir uns dann. Ich musste dann mit dem Zeug alleine weiter.


Der PC war schwer, richtig schwer. Ich war damals 14. Ich werde das nie vergessen. Die Tastatur hatte ich im Rucksack. Den Monitor mit dem Hinterteil zuerst in einen Baumwollbeutel gequetscht. Die Zentraleinheit, die ja den Formfaktor eines ausgewachsenen IBM-PCs hatte trug ich mit bloßen Händen. Immer abwechselnd. Ein par Meter den Monitor, ein par Meter die Zentraleinheit. Die Sonne knallte. Die Zentraleinheit erhitzte sich dann auch noch. Dann in den Bus, Leute die es bei dem Versuch mir zu helfen nur noch schlimmer machten. „Damals wurde der Preis noch nach Gewicht gemacht!“ sagte der Mann der versucht hatte mir beim Verladen zu helfen. Dann zuhause aus dem Bus raus. Wider ein par Meter Monitor, ein par Meter Zentraleinheit schleppen. Irgendwann kreuzte dann ein anderer Junge mit einem Bollerwagen meinen Weg. Das war die Rettung. Ich bot ihm 5 oder 10 Mark dafür das er mir hilft meinen Computer nach Hause zu schaffen. Er tat es. Zuhause angekommen zahlte ich ihn dann aus. Ich war fertig mit allem. Ich trug den Rechner außen am Haus entlang und stellte ihn erstmal unter den Balkon. Dieser Teil des Gartens war schon ziemlich zugemüllt und von außen auch nicht einsehbar. Also erstmal ein guter Platz für einen PC. Ich erinner mich das ich dann eine Hitzwelle gespührt habe und sofort duschen gegangen bin. Den PC nach Hause zu schleppen war eine absolute Verausgabung gewesen und war wahrscheinlich auch nicht so gut für meine Mitrealinsuffizienz. Das war mir aber egal.


Meine Mutter reagierte zurückhaltend als ich von dem Kauf erzählte. „Philipp, alles was du kaufst ist scheiß!“ sagte sie. Meine Mutter konnte nicht verstehen wieso ich einen PC für mich haben wollte, wo doch im Arbeitszimmer schon einer stand. Zusammen mit einem Freund von neben an nahm ich die Kiste dann in Betrieb. Ich wusste nicht ob der Rechner überhaupt funktionieren würde, der Transport war nicht gerade schonend gewesen und bei Flohmarktkäufen war das immer so ein Glücksspiel. Strom zum testen gab es in der Rheinaue ja nicht. Also steckten wir alles zusammen und schalteten die Kiste ein. Festplatte und Lüfter drehten hoch. Die Festplatte knatterte ein par mal und Bäm! Dosprompt! "C:>". Der Rechner war voll funktionsfähig. Am Abend saß ich dann auf dem Boden in meinem Zimmer und versuchte mit MS-DOS klar zu kommen. Mein Vater kam rein und fragte mich: „Was kannst du jetzt damit machen?“ Ich hatte da keine richtige Antwort parat. So genau wusste ich auch noch nicht was ich mit dem PC alles machen würde.

Die ersten Wochen mit meinem eigenen PC waren etwas wild. Ich probierte sehr viel aus. Vor allem versuchte ich DOS-Programme die auf dem Windows-PC im Arbeitszimmer installiert waren auf meinen PC zu transferieren. Dafür musste erstmal eines der 5,25-Zoll Laufwerke gegen ein 3,5-Zoll Laufwerk getauscht werden. Auch nicht ganz einfach. Erst hatte ich das Laufwerk nur so weit das es 720K schreiben und lesen konnte. Dann fand ich aber auch im Bios die entsprechenden Settings um es auf 1,44 MB zu stellen. Nicht alles was ich rüber kopierte lief auch. Aber hier und da hatte ich Erfolg. Sogar mein Lieblingsspiel „Stunts“ und „Grand Prix“ brachte ich zum laufen. Auch der PC selbst musste erforscht werden. Zusammen mit einem Schulfreund, der auch einen DOS-PC hatte und deshalb etwas Erfahrung hatte, stießen wir auf eine Installation von Word. Es fanden sich auch noch Dokumente vom Vorbesitzer, diese habe ich dann aber später sicher gelöscht. Wir fanden so allerlei, sogar ein CAD-Programm war da und ein QBASIC Interpreter. Ich kannte BASIC bisher nur von programmierbaren Taschenrechnern. Mit QBASIC machte ich dann gewissermaßen meine ersten Gehversuche auf den „großen“ Computern.

Manchmal lernt man Dinge nur auf die harte Tour. Ich dachte mir eines Tages das ich den Computer ja mal etwas aufräumen könnte. Im Hauptverzeichnis von MS-DOS liegen immer ein par Dateien rum. Autoexec.bat, Config.sys, Command.com so allerlei halt. Irgendwie dachte ich das diese Dateien überflüssig seien und habe dann das Hauptverzeichnis einfach mal leergemacht. So das nur die Ordner noch blieben. Beim nächsten Neustart gab es dann nur noch eine Meldung vom DOS-Bootloader: „Falscher oder fehlender Befehlsinterpreter.“ Für mich war das damals eine Katastrophe die in einem Nervenzusammenbruch endete. Ich wusste damals noch nicht wie man richtige Backups macht und vor allem wie man Bootdisketten erstellt. Der Rechner lag einen ganzen Sommer lang lahm. Der Nachbarsjunge, der damals sehr erfahren in IT war, ich glaube er war damals schon so um die 20 war dann schließlich bereit mir zu helfen. Er fummelte mit Bootdisketten und DOS-Befehlen rum und irgendwann ging es dann wieder. Was er da genau gemacht hat habe ich damals aber nicht kapiert. Aber ich habe mir dann die Handbücher genommen und nach einem Tag büffeln habe ich es dann auch gerafft.

Es war damals eine Zeit ohne Internet und Personen die von Computern etwas verstanden waren im Bekanntenkreis meiner Eltern so gut wie nicht vorhanden. In der Schule hatte zu der Zeit auch kaum jemand einen Computer und wenn doch dann fehlte es bei meinen Mitschülern dann auch an Fachkenntnissen. Man darf nicht vergessen, wir waren alle so 13-14 Jahre alt. In so einem Alter ist man noch kein Informatiker. Man fühlt sich vielleicht wie einer wenn man ratlosen Eltern und Lehrern zeigt wie sie ein Computerproblem lösen, aber man ist es nicht. Wenn ich so zurück schaue haben Computer mir damals ein enormes Selbstwertgefühl gegeben. Ich hatte das erste mal das Gefühl in etwas gut zu sein, so gut das ich sogar den Erwachsenen noch etwas zeigen konnte. Das hat sich gut angefühlt.

Irgendwann wollte ich dann auch mehr. Ich wollte einen Laptop auf dem ich auch moderne Software, also Windows 95, laufen lassen konnte. Ich fing an zu sparen, verkaufte mein Fahrrad, meine Spielsachen, einfach nahezu alles, auch den PC. Das letzte an das ich mich erinnern kann ist wie der PC im Kofferraum von dem Käufer verschwand und 50 Mark in meine Tasche wanderten. Das Gerät war weg. Heute verfluche ich diesen Tag. Ich hätte das nicht machen sollen.

Ich habe nun mehr als 15 Jahre nach diesem PC-Modell in Onlineauktionen gesucht. Was mir nicht klar war ist das Zenith Data Systems im europäischen Raum zumindest mit diesem Modell so gut wie nicht vertreten ist. Dementsprechend ist es in Deutschland nahezu unmöglich so einen Computer zu bekommen. Computer von Zehnith Data Systems waren in Deutschland nicht sehr verbreitet. In den USA, aber durchaus schon. Ich bin dann auch auf Onlineauktionen in den USA fündig geworden. Ich habe ca. 2000 Euro ausgegeben um die Zentraleinheit (davon habe ich zwei Importiert und dann beide vereint), die Tastatur und einen Monitor von Zenith Data Systems zu bekommen. Die Tastatur ist amerikanisch, der Monitor ist schwarzweiss. Ich hatte damals eine deutsche Tastatur und einen Grünmonitor mit lang nachleuchtendem Phosphor. Der Rechner den ich jetzt habe ist also nicht exakt der Rechner den ich damals hatte, aber es ist sehr nah dran.

Wer bis hier her gelesen hat dem will ich auch noch ein par technische Details nicht vorenthalten. Es handelt sich um ein 80286er PC. Das ist schon etwas selten heute. Man findet viele XT-Rechner mit 8086er Prozessor. 286er sind relativ selten. Der Arbeitsspeicher ist 640K + 2048K groß, die Festplatte ist eine 80MB Wincherster-Platte. Die Grafikkarte ist VGA, allein das ist schon ziemlich High-End. Bei so alten Rechnern findet man üblicherweise eher CGA-Karten. Die Maus ist eine Microsoft-Bus Maus (Siehe Bild, die Maus stammt aus dem Nachlass eines PC-Technikers). Das heist die seriellen Ports bleiben frei. Die Maus hängt über eine propriäre Karte am ISA-Bus. Vorne gibt es ein Schloss. Damit kann man wenn man das möchte die Tastatur blockieren. Ich habe im Moment keinen Schlüssel für das Schloss. Vielleicht mache ich mir mal einen. Ansonsten ist es letztendlich ein ganz normaler PC dieser Zeit.

Für interessierte habe ich noch ein Video gemacht. Es ist ein bisschen lang geworden, weniger technisch, dafür mehr Geschichten von früher:

My Zenith Data Systems ZBV-2519-EY and Me



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